Ahmad Mansour@AhmadMansour__
Über die Ränder wird viel geurteilt. Über die Mitte, die schwächer geworden ist, wird zu wenig gefragt.
Acht Fragen zur eigenen Reflexion - um besser zu verstehen, was sich vor (und nach) den Wahlen in unserer Gesellschaft zeigt.
1. Wenn Menschen über viele Koalitionen hinweg bei Migration, Wirtschaft und Sicherheit kaum noch einen Unterschied zwischen den Parteien der Mitte erkennen – liegt das an den Wählern oder an der Mitte?
2. Wie viel vom Zulauf zu den Rändern ist Zustimmung zum Programm – und wie viel Enttäuschung über einen Staat, der bei Bahn, Amt, Wirtschaft, Sicherheit, Migration und Schule nicht mehr liefert?
3. Holt Empörung über Menschen, welche die Ränder wählen, sie zurück – oder bestätigt sie ihnen nur, dass man sie abgeschrieben hat?
4. Klafft eine Lücke zwischen dem, was Menschen privat denken, und dem, was sie öffentlich zu sagen wagen? – Und wer entscheidet, was noch sagbar ist?
5. Suchen Menschen unter dem Druck dauernder Krisen das beste Argument – oder das stärkste Versprechen von Kontrolle?
6. Wir teilen keine gemeinsame Öffentlichkeit mehr, sondern informieren uns in getrennten, personalisierten Welten – kann eine Demokratie bestehen, deren Bürger nicht einmal mehr über dieselben Tatsachen streiten?
7. Wenn unsere neuen Kanäle Empörung dauerhaft stärker belohnen als Abwägung – ist dann nicht die Art, wie wir heute kommunizieren, selbst zu einer treibenden Kraft der Radikalisierung geworden?
8. Dasselbe Muster zeigt sich in vielen Demokratien, von Frankreich bis in die USA – ist das Erstarken der Ränder ein deutsches Problem oder die deutsche Ausgabe eines Problems, das wir uns zu bequem als deutsches erklären?