Eva Engelken@Kommunikatorin
Früher mögen Zuschreibungen wie "links", "rechts", "feministisch" oder gar "radikalfeministisch" hilfreiche Schubladen gewesen sein, um sich zu verorten. Mittlerweile sind es Zäune, die Frauen daran hindern, zusammenrücken, um weibliche Würde und Freiheit gegen die von allen Seiten anrückenden Gegner zu behaupten. Mein Ansatz für die von mir gegründete Konferenzreihe #heroica war daher von Anfang an ein lagerübergreifender. Sinn der Konferenz war und ist es, über Parteien oder Positionen hinweg ins Gespräch zu kommen, Gemeinsamkeiten zu identifizieren und zweckdienliche Bündnisse zu schließen.
Dabei geht es auch darum, ein Stück weit dem typisch weiblichen (anerzogenen?) Drang zu widerstehen, mit jeder und allen immer beste Freundin sein zu wollen. Bzw. darum, nicht jede Frau zur Feindin zu erklären, die nicht absolut und in allem zu hundert Prozent dasselbe denkt und fühlt.
Wenn man jede Zusammenarbeit mit einer solchen, auf Reinheit bedachten Messlatte miss, engt man den Kreis der Frauen und Organisationen, mit denen man zusammenarbeiten kann, sehr ein. Wenn man jedoch die Angst vor Meinungsverschiedenheiten ablegt, lassen sich sehr interessante und wirkungsvolle Allianzen schmieden. Wenn man dann noch aufhört, sich von Kontaktschuldvorwürfen daran hindern zu lassen, mit bestimmten Frauen zu sprechen, kann man den eigenen Horizont und die eigene Reichweite enorm vergrößern. Und man kann erkennen, dass auch Frauen, die man vielleicht früher als "rechts" und damit als "igitt" von vornherein aus der potenziellen Kontaktliste ausgeschlossen hat, wie Birgit Kelle oder Anabel Schunke, wertvolle Verbündete sind, und nebenbei auch noch unterhaltsame, witzige, kluge Frauen, mit denen es Freude macht, Zeit zu verbringen.
Für mich heißt das Gebot der Stunde: Abkehr vom feministischen Reinheitsgebot. Denn dann geht Vieles. Und um es mit Birgit Kelle aus ihrer Preisrede vom Frauenheldinnenpreis 2025 zu sagen: "Das erfordert nicht Mut, es ist viel schlimmer: es macht Spaß!"